1998 – Wie es dazu kam

1997. Das erste mal als ich es jemandem mitteilte, dass ich weg will – weg muss, war es irgendwann im März 1997. Ich meinte zu meiner damaligen Freundin/Geliebten, dass ich wegführe. Sie war verheiratet und hatte zwei Kinder. Ich ging dort regelmäßig ein und aus. Ihr Mann wusste von mir, wollte sich aber nicht trennen. Oder was weiß ich. Vielleicht habe ich es auch „geschönt“ in Erinnerung. Ich weiß nur, dass es eine wunderbare Zeit mit ihr war und eine schreckliche. Ihre beiden Kinder hatte ich auch bereits sehr lieb gewonnen und wir kamen prächtig miteinander aus.

Ich war jünger. 8 Jahre. Mir war es egal. Sie zweifelte immer wieder. Ich liebte Sie uneingeschränkt. Sie zweifelte immer wieder. Sie tat Dinge die mich sehr verletzten. Ich tat es ebenso. Sie auf ihre Art. Ich auf meine.

An diesem Punkt entschloss ich mich fort zu gehen. Nicht nur, aber auch wegen dieser Situation. Ich stand beruflich an einem Scheideweg. Ich hatte das Gefühl, dass ich das so nicht mehr wollte. Das Alles. Auch das ganze konservative Gehabe bei uns. Im Allemannischen. Im Vorarlbergischen. Einfach zum Kotzen diese Heuchelei. Zumindest damals für mich. Inzwischen kotze ich deutlich weniger. Aber immer noch.

Ich war grün. Hinter den Ohren. Überall. Naiv. Gutgläubig. Voller Ideale. Voller Ideen. Voller Visionen. Ich kam mir vor, als würde ich hier ersticken. Zwischen dem Bodensee und den Alpen.

Von Sebastian Munster – State Library of New South Wales., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63755893

Ich teilte ihr also mit dass ich gehen würde. Dass ich für eine Weile oder für immer weg gehe. Auf Weltreise. Wohin wusste ich noch nicht. Nur raus hier. Weg – weg – weg – …. In einem Jahr würde ich gehen!

Dieser Entschluss lies die kommenden Wochen und Monate viel intensiver werden. Unglaublich, wie das Leben so spielt. In der Firma, bei der ich arbeitete wollte man mich zum Leiter einer kleinen Abteilung machen. Das war im Oktober. Ich lehnte ab und teilte meine Kündigung auf den März 1998 mit. „Sie werfen eine Karriere weg“, wurde mir gesagt. Ja – das wusste ich. Eine Karriere, die ich so nicht mehr wollte. Nie wollte.

Im Herbst/Winter 1997 die Wendung dann in der Beziehung. Ihr Mann willigte in die Scheidung ein. Ich steckte knöcheltief im Dilemma. Und ich versank immer weiter darin. Gleichzeitig wusste ich, dass, wenn ich das jetzt nicht durchziehe, dann wird es nichts mehr mit „hier mal raus kommen“. In die Firma ging nichts mehr zurück. Wollte ich auch nicht. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl von Verantwortung ihr und den Kindern gegenüber. Dieses Gefühl lies mich schier verrückt werden. Ich litt. Egal wie ich mich entscheiden würde, was ich tun würde, ….

Ich entschied mich zu gehen und besiegelte damit vorerst den Untergang meiner Beziehung mit ihr. Die Zeit verlief immer schneller. Ich veranstaltete ein Abschiedsessen. Erst da – so glaube ich – erfuhren meine Eltern von ihr.

Sonntag, der 19. April ’98

Heute ist mein letzter Tag. Schon morgen werde ich per LKW Richtung Hamburg fahren und versuchen auf ein Schiff zu kommen. Aber das war heute nicht das Wichtigste. Ich musst mich von IHR und den Kindern verabschieden. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich durchmache. IHR geht es genauso. Sie versuchte es zu „beherrschen“ (wie sie meinte). Ist ihr besser gelungen wie mir.
Wieso fahre ich eigentlich weg? Wieso tu ich das mir, IHR und unserer Beziehung an? Wieso … ? So viele Fragen ohne Antwort.
Mir brennen die Augen vor weinen. Ich bin so müde und will doch nicht schlafen. Ich habe Angst vor dem Unbekannten. Ich bin so leer – hohl. Ein komisches Gefühl. Vielleicht eine Art Schockzustand, um mir nicht alles in das Bewusstsein zu bringen? – Ich will nicht weg !!!!!!!

Ich hatte einen groben Plan erstellt, wo und wie ich beginnen will und diesen jedem gegeben, der Interesse daran hatte. Zunächst nach Südamerika. Das stand für mich fest, denn ich wollte schon seit ich Jugendlicher war zwei Dinge. Mit einem Schiff reisen und zwar nach Tierra del Fuego / Feuerland. Ich war begeistert von den Entdeckungsfahrten eines Magellan, eines Vasco da Gama, eines Cook, … und wie sie alle heissen. Ach ja – Amundsen, wegen ihm wollte ich eine Zeit lang Polarforscher werden.

9 Kommentare zu „1998 – Wie es dazu kam

  1. Was für eine coole Story. Ich hoffe, du bist gefahren? Ich habe etwas Ähnliches genau heute vor 25 Jahren erlebt, da bin ich auch für ein paar Monate abgehauen und hab einiges hier gelassen. Es war nicht so eine Beziehung wie bei dir, aber ich war frisch verliebt und ich dachte, mir bricht das Herz. Aber ich hab es durchgezogen … und jetzt im Rückblick war es die beste Zeit meines Lebens. Ich hab auch kurz vorher riesige Zweifel gehabt und die ersten Tage waren furchtbar, aber dann … war es GANZ GROSS!

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  2. Robert! ich bewunderte immer deine Entscheidungs Kraft die ich leider nicht habe oder sagen wir so ich hatte nie den Mut und werde auch nie den Mut haben zum so etwas machen. h. Hut ab von dir aber das weißt du. Mir läuft noch die Gänsehaut über den Rücken und über die Arme als ich daran dachte dass wir dich jetzt eine Zeit lang nicht mehr sehen konnten und nicht in den Arm nehmen können. Geschweige die Sorgen was könnte dir passieren was machst du da wenn es dir schlecht geht. Auf der anderen Seite hatte ich mega Achtung und vollen Respekt dass du diese Entscheidung für dich getroffen hast, ich bin schon gespannt auf weitere Berichte ich drücke Dich und ich habe dich fest lieb ❤

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