1998 – über die Azoren in die Karibik

Spanisch. Ich muss Spanisch lernen. Das fällt mir nicht leicht. Ich habe zwar so ein kleines Wörterbuch mit dabei und den Kauderwelsch-Reiseführer, aber ich sitze lieber vorne am Bug oder spiele Tischtennis. Sprachen sind nicht wirklich mein Ding. Aber ich muss.

Dann entdecke ich die Schiffsbibliothek: ein Regal mit 4 Fächern und einer Schublade. Die Bücher sind in verschiedensten Sprachen und zum tauschen. So bin ich zum Buch „Meditationen“ von Krishnamurti gekommen, das mich seitdem begleitet. Nun habe ich auch die Gelegenheit mich mit Spanisch besser auseinander zu setzen, denn es sind auch Bücher in spanischer Sprache dabei. Und eines davon kenne ich in groben Zügen.

Europa Ade

Die See beruhigt sich und es wird sonniger. Auf Höhe Portugal und bereits durch 3 Zeitzonen von der Heimat getrennt. Also Jetlag werde ich keinen bekommen, denn wenn wir nicht regelmäßig aufgefordert würden die Uhrzeit zu verstellen, ich würde mich wahrscheinlich einfach nach der Sonne richten. Es wird auch merklich wärmer, wobei – den Azoren ist’s geschuldet – Sonnenschein und Regenguss sich unablässig abwechseln.

Sonntag, der 3. Mai 1998 – 08:50

… Momentan habe ich lauter Träume, die sich auf Schiffen, Booten oder sogar U-Booten abspielen. Manchmal, wenn ich so in einem Halbschlaf bin, denke ich mir, „die sollen doch endlich mal mit der Schaukelei aufhören!“. Man gewöhnt sich an diese Schaukelei, doch wenn du gerade am einschlafen bist und du wirst auf die andere Seite gedrückt, ist das schon lästig. … Ich muss am Montag daran denken meine Malariatabletten zu nehmen. ganz wichtig! MONTAG!

Auszug aus meinem Tagebuch

Malaria und andere Krankheiten

Für die Reisevorbereitungen hatte ich an so manches gedacht. Der Besuch im Tropeninstitut gehörte dabei zum Wichtigsten, um mich bezüglich der zu erwartenden Krankheiten zu informieren. Dort hatte ich dann einen Impfplan bekommen.

Jede(r), die/der solche Reisen plant, ist gut beraten sich frühzeitig – dass heißt ca. 6 Monate vor Reisebeginn – zu informieren. Dann ist ausreichend Zeit alle notwendigen Schritte zu unternehmen. Geimpft wurde ich damals gegen Hepatitis A und B, Gelbfieber und Tetanus. Gegen Malaria wurden Tabletten empfohlen, die nach Aussage der Ärztin in Südamerika zu bekommen sind und daher nicht die Gefahr besteht, dass ich irgendwann ohne Schutz dastehe. Diese muss ich aber nur einnehmen, wenn ich in gefährdete Gebiete komme – also tropisches Tiefland. Doch dann erfahre ich, dass ich diese schon viel früher nehmen muss. Nämlich ab Montag, den 04. Mai. Das Schiff hat als einen der nächsten Halte Baranquilla in Kolumbien auf dem Plan. Das ist Malariagebiet. Spätestens dort muss ich einen aufrechten Schutz haben. Das war definitiv nicht geplant. Aber so ist es auf solchen Reisen …..

Doch nicht Azoren

04. Mai 1998. Wenn ich zurückblicke kann ich die Azoren schemenhaft sehen. Wir sind an ihnen bei Nacht vorbei geschippert. OK – das ist jetzt definitiv ein Frachtschiff-Nachteil. Auf die Wünsche der Passagiere wird diesbezüglich keinerlei Rücksicht genommen!

Dienstag, der 05. Mai 1998 – 09:00

… Gestern Nachmittag war es schon sehr heiß. Jeder der Zeit hatte (da vor allem die Passagiere) sonnte sich. Mathew hat dabei entweder keine Sonnenmilch benutzt oder er ist extrem empfindlich, denn heute Morgen war er überall krebsrot. Mir tat es richtig weh, als ich das sah. Gestern hatte ich auch begonnen zu trainieren. Zusammen mit Daniel. Er ist regelmäßiger Besucher von Fitnesscentern und er hat mir ein paar Übungen gezeigt. Ich werde jedenfalls die Zeit auf dem Schiff auch dafür nutzen, um dann in den Anden fitter zu sein. Am Morgen in der Früh mache ich immer meine Meridian-Übungen und die Herzchakra-Übung. Das hält mich im allgemeinen schon etwas fit, doch die Anden sind hoch. Höher als alles was ich bisher erwanderte. Ich war das letzte Mal vor über zwei Jahren in einem Fitnesscenter. Da hatte ich die erste meiner Knieoperationen. Aber ich hatte mich nie wirklich wohl dort gefühlt. Diesmal geht es. Liegt wahrscheinlich am Grund!

Auszug aus meinem Tagebuch

Freitag, der 8. Mai 1998 – 09:10 Uhr

Ich kann kaum erzählen und beschreiben, was für ein wunderschöner Tag gestern war. Zum Abend hin hätte ich nur noch singen mögen. Und morgen Abend soll es ein Barbecue geben. Anstatt der üblichen Mahlzeit unter Deck grillen bei Sonnenuntergang in der Karibik. Karibik – klingt das nicht genial?

Auszug aus meinem Tagebuch

Karibik

Sonntag, der 10.Mai 1998 – 05:40 Uhr

Ich sitze gerade in meinem Liegestuhl draußen an Deck. Ich halte es in der Kabine aufgrund der Schwüle einfach nicht mehr aus. An Deck weht wenigstens ein Wind. Es bildet sich auf Allem eine Salzkruste. Alles was man anfasst ist salzig und wenn man selber eine Zeit lang draußen war kommt man sich ganz klebrig vor und die Lippen schmecken salzig. Das liegt wohl an der Hitze und dem stetigen Wind. In den Wellen sind lauter kleine Kräusel und die Wellen sind gar nicht so hoch – Maximal ein Meter oder so. Das Meer wirkt irgendwie zerzaust. Schon seit zwei Tagen sehen wir immer wieder fliegende Fische vor dem Schiff flüchten und gestern Abend da sah ich meine ersten Delphine wie sie knapp vor dem Bug schwammen. Spielerisch leicht. Ansteckend. Sie sind auch immer wieder aus dem Wasser gesprungen und haben Pirouetten gedreht.

Letzte Nacht – Sternenklarer Himmel und Vollmond. Das richtige Wetter für das Barbecue. Es war total schön gemütlich mit karibisch-ausgelassener Stimmung (so stelle ich es mir zumindest vor). Um 21:00 Uhr passierten wir die erste Karibikinsel in der Nähe von Puerto Rico. … Es hatte einen traumhaften Sonnenuntergang. So etwas muss man einfach mal gesehen haben: Sonnenauf- und Sonnenuntergänge auf dem Meer.

Auszug aus meinem Tagebuch

Der Tag der Wahrheit rückt immer näher. Der nächste Hafen in ein bis zwei Tagen ist bereits Baranquilla / Kolumbien. Dann folgt noch Panama, der Panamakanal und der Stopp danach bedeutet, dass ich von Bord muss. Endgültig. Unumkehrbar. Doch zunächst sind wir zwei ganze Tage in Kolumbien.

Wie es wohl ist – das erste Mal südamerikanischen Boden zu betreten? Voll und ganz auf Spanisch angewiesen zu sein? – Englisch wird mir nicht weiterhelfen. Deutsch sowieso nicht!

Kuriosum am Rande:
Erst nach meiner Reise und nachdem ich meiner Familie alles berichtet hatte, erfuhr ich, dass das Schiff, die MS Szczecin, auf Deutsch MS Stettin heißen würde und dass mein Vater knappe 150 km östlich von Stettin im damaligen Schneidemühle geboren wurde. So schließen sich manche Kreise und eröffnen neue ….

6 Comments

    1. f e e r l u w a

      Vielen Dank .. . ja – die Fotos wecken in mir sehr reale Erinnerungen. Ich bin froh, dass ich mir damals die Mühe gemacht hatte eine Kamera die ganze Zeit mitzuschleppen. Der Rucksack hatte alles in Allem ein Gewicht von ca. 24kg inklusive Zelt und Fotoausrüstung! Dann kam noch Proviant und Wasser dazu …. Aber auf die Kamera wollte ich nicht verzichten … Gruß .. Robert

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      1. thrillerbraut

        Das war ja sicher ein super Training.
        Ich hatte mal einen Foto-Job in der Türkei. Die Ausrüstung wog etwas über 10kg. Das Gepäck wurde für mich zum Glück transportiert. Aber den Rucksack mit der Ausrüstung, den musste ich tragen. Nach einer Woche war ich echt gestählt 😉
        Hat sich bei dir auf jeden Fall gelohnt die Kamera dabei gehabt zu haben.
        Lieben Gruß aus Hamburg

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