Venezianische Fragmente – La Serenissima I

Ich bin wieder in Venedig. Diesmal im Januar und ohne mein Rad. 4 Tage durch Venedig’s Gassen, vorbei an wunderschönen und teilweise zerbröckelnden Palazi, die Campi durchquerend zum nächsten Fotomotiv.

Ich liebe Venedig. Es ist wunderbar melancholisch. Morbid. Geheimnisvoll. Erhaben in seiner Vergangenheit, die beinahe überall immer noch gegenwärtig ist. Jede Gasse ist anders. Venedig hat hunderte – nein tausende davon. In Venedig verläuft sich jede(R). Es ist einfach unmöglich sich durch diese engen Gassen zu bewegen und die Orientierung zu bewahren. Venedig ist eine reine Fußgänger-Stadt. Kein Verkehrslärm. Keine Gefahr von einem LKW übersehen zu werden. Keine PKW’s und Fahrräder, die drängeln. Kein Hupen. Durch die größeren Kanäle tuckern die Vaporetti und durch die kleineren die Transportboote. Von der einen Seite bis zur anderen benötigt ein Ortskundiger zu Fuß etwa eine Stunde. Ich benötige mindestens das Doppelte, weil ich mich andauernd verlaufe. Und dann nochmals was drauf, weil ich auch noch fotografiere. 
Natürlich ist Venedig noch viel mehr. Aber diese Eigenschaften ziehen mich persönlich magisch an.

Streetfotografie in Venedig

Die vielen engen Gassen machen Venedig auch zu einem Mekka für Streetfotografen. Es ist sehr einfach jemanden im Kontext zu Gebäuden, Situationen,… ab zu lichten. Genau das macht es aber auch schwierig. Da in Venedig bereits so viel fotografiert und in sozialen Medien veröffentlicht wurde, ist bereits jedes Motiv schon mal erschienen – auf die eine oder andere Art. Hier neue Impulse für einen selber zu setzen fordert die eigene Kreativität und dass Gespür für Situationen noch mehr. Ich selber hatte das an mir festgestellt. „Oh Mann – nicht schon wieder einen dunklen Schatten in einer engen Gasse!“. Und doch sind es gerade Motive mit starken Kontrasten die mich magisch anziehen. Daher bin ich gerne unterwegs, wenn damit zu rechnen ist. In Venedig trifft das bei Sonnenschein ganztägig zu. Auch morgens in der Früh (Vorteil: gaanz wenig Touristen) und am Abend ergeben sich wunderbare Motive. Für die Streetfotografie findest du in Venedig fast immer einen Frame – einen Bezugsrahmen. Seien es Brücken, Durchgänge, Schaufenster, oder der Rahmen wird sogar durch die Gegend getragen ….

Beinahe alles muss zunächst per Pedes an den nächsten Kanal getragen werden. Ist etwas größer, als viele Kanäle zulassen, auch noch um einiges weiter.

Natürlich bieten sich für streets zunächst die Touristenrouten an, doch dort wirst du am Wenigsten „das Venedig“ erleben und auch fotografieren können. Vielfach ist es so, dass ich mich durch einen einzigen Schritt in eine unscheinbare Seitengasse unverhofft in einer anderen Welt wieder finden kann. Eines meiner letztjährigen Fotos von Venedig entstand 10 Schritte neben dem Hauptweg zwischen Rialto und San Marco, und doch wirkt es entrückt und es ist nicht zu erkennen, dass in meinem Rücken hunderte von Touristen gerade vorbei eilen. Auf der Karte erkennst du abseits der roten Strecke einen gelben Punkt. Ungefähr dort habe ich das Foto gemacht.

Bei diesem Foto siehst du auch schön, wie ich die Möglichkeiten des Einrahmens zusammen mit knackigen Kontrasten einsetze. Ich habe den vorderen Gondoliere dazu auch etwas abgedunkelt, denn ansonsten hätte das Bild nie diese Wirkung.

Wenn du mehr zur Streetfotografie erfahren willst kann ich dir folgendes Buch empfehlen: „STREETFOTOGRAFIE made in Germany – ORTE, MENSCHEN UND MOMENTE“ (ISBN 978-3-8362-6117-3). Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsarbeit mehrerer Fotografen und behandelt in einem Kapitel auch die DSGVO aus Sicht der Streetfotografie.

Genug gequatscht … eine erste Auswahl meiner Bilder findest du anschließend. Für diese Bilder war ich bereits um fünf Uhr auf den Beinen. Ich denke es hat sich gelohnt ….

Bei diesen beiden Bildern kann ich mich nicht so recht entscheiden, welches mir besser gefällt. Wobei ich hier eher zum farbigen Bild tendiere, und bei der nachfolgenden Kombination eher zum SW-Foto. Was ist deine Meinung dazu?

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12 Comments

  1. freiedenkerin

    Nahe des gelben Punktes habe ich bei meinem letzten Venedig-Besuch vor gut zwei Jahren gewohnt, im kleinen Hotelchen Ala Vava. 😉
    Ich finde La Serenissima auch ungemein faszinierend, ungefähr aus den gleichen Gründen wie du.
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  2. juergen61

    Das glaube ich dir gerne, versuche selbst im März dorthin zu kommen, noch vor den grossen Touristenaufläufen…ich finde übrigens die 086 mit wenig Farbe gut, also das Gelb etwas reduzieren…ist aber meine ganz persönliche Meinung…

    Gefällt 1 Person

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