1998 – Panamakanal

Am Freitag, den 15.Mai legten wir endgültig in Barranquilla ab. Zunächst den Hochwasser führenden Fluss hinunter. Links abbiegen und dann Richtung Panama.

Panama! PA – NA – MA. Das klang für mich damals sehr unwirklich. Panama. Da ist der Kanal, der Atlantik mit Pazifik verbindet. Eine Meisterleistung der Ingenieure. Eine Tortour für die Arbeiter. Ich war gespannt auf den Kanal. Solltest du mehr darüber lesen wollen, dann schlag nach bei Wikipedia.

Schon komisch. Anfangs meinte ich immer alle gesichteten Delphine ablichten zu müssen – inzwischen sind sie so normal, dass ich kaum mehr hinsehe. Auch die grandiosen Sonnenuntergängen oder all die anderen Dinge, die mich anfangs an Bord in helle Aufregung versetzten – normal. Blicke schon – jedoch kein Foto mehr. Da kam mir der Panamakanal gerade recht. Das hatte ich noch nicht. Hoffentlich kommen wir wenigstens tagsüber an!

Panama

Samstag, der 16. Mai 1998 – 11:30

Wir liegen bereits seit 7 Stunden bei Panama vor Anker. Ich kann sehen in welcher Richtung der Kanal liegt. In ca. 3 Stunden soll es losgehen. Dann sind es noch etwa 3 Stunden bis zum eigentlichen Kanal. Vielleicht geht es sich aus, dass ich den Kanal tagsüber erlebe! Er soll ja Mitten durch den Urwald führen und Nachts ist der sicher voller Moskitos, sodass ich kaum glaube mich an Deck aufhalten zu können.

Jetzt sind es schätzungsweise nur noch 4 Tage, dann heißt es Abschiednehmen und einen neuen Abschnitt meiner Reise zu beginnen.

Auszug aus meinem Tagebuch

Leider durchfuhren wie den Kanal in der Nacht. Ich selber blieb noch bis kurz nach Mitternacht an Deck, um die Prozedur zu beobachten. Ist ganz schön aufwendig und zeitintensiv. Zunächst mal näherte sich der Frachter der Einfahrt. Etwa anderthalb Kilometer vor Beginn der Anlage näherte sich ein Boot und mehrere Personen enterten an Deck. Es war auch sehr wichtig zu allen anderen Frachtern genügend Abstand zu halten, um jederzeit manövrieren zu können, ohne das eigene Schiff oder die anderen zu gefährden. Wir passierten langsam die Einfahrt, die mit weithin sichtbaren Pfeilen gekennzeichnet war. Dann hieß es „Maschinen Stop!“ und das Schiff wurde durch Stahlseile an an Seilzügen befestigten Wagen angemacht. Vorne und hinten an Steuer- und Backbord. So gesichert wurde dann unser Frachter unter Zuhilfenahme der schiffseigenen Motoren in die Schleuse gezogen, die sich langsam füllte. Ganz langsam öffnete sich dann die Schleuse und wir wurden zur nächsten Stufe gezogen. Dort vollzog sich das Selbe nochmal. Kurz nach Mitternacht hatten wir sämtliche Schleusen ostseitig überwunden und fuhren den Kanal entlang Richtung Pazifik.


Für ganz Neugierige hier ein YOUTUBE-Video einer Kanaldurchfahrt:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/RreHc_GDPu8?controls=0

Sonntag, der 17. Mai 1998

Gestern Nacht haben wir den Panamakanal passiert. Jetzt sind es nur noch 4 Tage bis Lima. Das hatte ich gestern bereits geschrieben. Aber jetzt liegt ein GANZER Kontinent zwischen mir und Europa. Das fühlt sich unheimlich, gewaltig, beinahe unüberwindlich an. Ich habe heute ein ähnliches Gefühl im Bauch wie die Zeit kurz vor meiner Abreise. Immer wieder ziehen Gedanken an mir vorbei, dass ich doch nicht so blöde sein soll und endlich umkehren. Gedanken wie, von was soll ich leben falls ich zurückkomme, wenn ich arbeits- und auch mittellos bin? Was mache ich wenn ich keinen Job mehr finde? Wo soll ich leben? Komme ich mit dem Leben zuhause dann noch zurecht? Was wenn ich mich verletze? Kehre ich überhaupt jemals zurück?

Ich weiß, dies sind dieselben Ängste, die mich bisher immer so am Leben gehindert haben. Ängste, die ich mir vorgenommen hatte in den Griff zu bekommen, um stärker, reifer und lebendiger wieder nach hause zu kommen. Doch was soll ich machen? Sie sind nun mal da. Greifen rücklings an, wenn ich alleine in meiner Kabine liege und ins Dunkel starre. Überfallen mich, wenn ich in die Weite der See blicke und versuche mich daran festzuhalten. Lassen mich erschaudern, wenn ich an die kommenden Tage, Wochen, Monate denke.

Auszug aus meinem Tagebuch

Mir wurde immer bewusster, wie notwendig eine Verbesserung meines Spanisch war. Ich lernte Vokabeln bis zur Vergasung zusammen mit Daniel. Nur das mit dem Konjugieren wollte nicht so gut klappen. Ich mochte bereits im Englisch die Sonderformen nicht. Im Spanisch erschienen sie mir ungleich zahlreicher und schwerer. Ich gehe mal davon aus, dass das Deutsch schon so viel Platz in meinem Sprachzentrum beansprucht, dass für andere Sprachen nur mehr Nischen übrig sind.

Die ersten Reparatur- und Optimierungsarbeiten an meiner Ausrüstung standen ebenso an. Meine Hose hatte ich enger zu nähen. Wie bitte? Den ganzen Tag rumhängen, 5 Mal täglich gibt es was zu Essen und ich nehme ab? Ich verstand es nicht, denn obgleich dies meine erste Seefahrt war, bin ich immer Herr über meinen Mageninhalt gewesen – und Stolz darauf.

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